Auch wer selbst gut kocht, will gelegentlich essen gehen. Schon um nett bedient zu werden. Oder auch um neue Anregungen zu finden. So stammen die im
Kochbuch zu findenden Rucolasalate mit Pfifferlingen oder Parmesan von einem Restaurantbesuch, genauso wie die mit Rucola und Schinken gefüllte
Hühnchenbrust und viele andere mehr.
Ich gehe auch schon mal gerne in ein Restaurant, einfach um nicht zu Hause zu sein, wo die Arbeit und Hausarbeit wartet. Oder einfach, um nicht
kochen, nicht wegräumen oder spülen zu müssen.
Im besten Fall erwarte ich natürlich ein Erlebnis für die Geschmackssinne.
Es handelt sich bei den Restaurantkritiken weniger um Kritiken, als Beschreibungen. Ich will die Restaurants auch nicht benoten. Es kann ja sein,
dass es einige wenige Gerichte gibt, für die sich ein Besuch lohnt, dass aber der Rest nicht empfehlenswert ist.
Ein Hinweis:
Zwischen Dose, Glas oder Papp-Verpackung wird hier nicht unterschieden.
Alle geäußerte Kritik ist selbstverständlich persönliche Meinung.
- Das Essen sollte frisch aus frischen Zutaten zubereitet werden. Die üblichen Röstis aus dem Gefrierbeutel kann man notfalls ja mal zu Hause
essen, im Restaurant haben sie nichts zu suchen.
- Bei einer Speisekarte mit 100 Gerichten kann man kein frisch und selbst gekochtes Essen erwarten. Solche Speisekarten stimmen skeptisch.
- Die Mengen sollten schon ausreichen, um satt zu werden. Viel ist für mich aber kein Kriterium - die Restaurants mit Riesenschnitzeln halte
ich, milde gesagt, für grobe Geschmacksverirrung.
- Gemüse muss frisch zubereitet sein. Ich brauche keine 5 Sorten Gemüse - eine reicht, die sollte aber schmecken. Gefriergemüse (bis auf wenige
Ausnahmen, wie Blattspinat oder Grünkohl) ist nicht akzeptabel, weil die Konsistenz entweder gummiartig bleibt oder zu weich ist.
- Tütensoßen und -suppen sind schlicht indiskutabel. Ich halte auch nichts davon, Industriepülverchen zu "verfeinern". Wer seine Zutaten
nachträglich "verfeinern" muss, hat offensichtlich unfeine Zutaten benutzt.
- Essen gehen ist ein Erlebnis. Man geht in der Regel nicht in ein Restaurant, um es möglichst schnell wieder zu verlassen. Wird zu schnell
serviert, drängt sich mir der Verdacht auf, hier muss schnell abgefertigt werden, um die Auslastung zu steigern.
- Wartezeiten sind nichts Schlechtes, sondern ein Hinweis auf gute Küche. Auf das Service-Personal sollte man aber auf keinen Fall warten
müssen!
- Ich sehe keinen Grund, warum in Restaurants nicht frische Champignons benutzt werden können. Gute Ware muss nicht geputzt werden und bleibt
tagelang frisch. Das Schneiden geht mit einem (evtl. zurechtgebastelten) Eierschneider oder auch einem Messer ruck-zuck. Ich vermute, dass die
Konserven eher teurer sind - schließlich bestehen sie hauptsächlich aus Wasser.
Tipps für Restaurantbesuche
Ehrlich gesagt, deutsche normale Gastronomie ist insgesamt ein Trauerspiel. Auch ich traue mich aber trotzdem oft nicht, meine Kritik - Positives
und Negatives - zu äußern. Oft wird es einem dabei ja auch nicht leicht gemacht und bekommt das Gefühl, der Koch erfährt die Kritik sowieso nicht.
Trotzdem lerne ich es allmählich, meine Kritik zu äußern. Anders geht es nicht, wenn die sicher gutwilligen Köchinnen und Köche ihre Küche
verbessern wollen.
- Sagen Sie deutlich und unter Angabe von Gründen, was Ihnen gut geschmeckt hat und was nicht.
- Stellen Sie Ihre Fragen zu einzelnen Gerichten sehr genau. Ein Beispiel: In der Pizzeria Trattoria in Marl (Brassertstr. 113) habe ich einmal
gefragt, ob die Champignons auf der Pizza auch frisch seien. Der Kellner war leicht empört: "Natürlich!". Sie waren tatsächlich nicht gammelig.
Aber nicht frisch, sondern aus der Dose und somit gummiartig säuerlich-geschmacklos. Das hätte ich nie bestellt. Ich hätte fragen sollen: "Sind
die Pilze frisch oder aus der Dose?"
- Fragen Sie also vor dem Essen, ob die Erbsen tiefgefroren, frisch oder aus der Dose sind, das Fischfilet paniert oder natur.
- Es ist natürlich sinnlos, außerhalb der Spargelzeit Spargel essen zu wollen. Aber auch in der Spargelzeit muss man in Restaurants, die
durchgehend Spargel anbieten, nachfragen, ob er frisch, gefroren oder aus Dose/Glas stammt.
- Denken Sie daran: Das größte Problem sind die Kunden. Wenn dieses bürgerliches-Restaurant-typische Salat-Misch-Masch angeboten wird und das
Personal sagt, die Kunden wollten das so, bin ich doch ein wenig skeptisch. Haben Sie Mut zur Kritik, erlauben Sie es sich, so gut hinzuschmecken,
dass Sie erst mal selber sagen können: Das ist überflüssig, das aber ist gut. Und teilen Sie dann Ihre Beobachtungen dem Personal mit.
- Wartezeiten - sagen Sie gleich zu Beginn, wenn Sie zeitlich begrenzt sind und fragen Sie, ob die von Ihnen angegebene Zeit vom Restaurant
eingehalten werden kann.